Der Oberhofer Wintersportverein vom 2. Februar 1904

Um 1900 entdeckten die Städter die frische Winterluft; Eisbahnen und Schlittenfahrten kommen in Mode. Der Ski mit seinen Möglichkeiten ergänzt als exklusivere Freizeitbeschäftigung die Palette der Winterbelustigungen.

Dies alles in Gemeinschaften zu erleben, wird eine verbreitete Modeerscheinung. Auch in Thüringen schlossen sich in vielen Orten Wintersportbegeisterte in Vereinen zusammen. Dr. Weidhaas beobachtete diese Entwicklung. Er plante einen solchen Verein auch für Oberhof. Aber mit einem anderen Ziel! Seine Intention war eine notwendige Saisonverlängerung, besser gesagt eine 2. Saison! Der von ihm angedachte Wintersportverein sollte eine breite Palette an winterlichen Freizeitangeboten für seine Oberhofer Kurgäste bereitstellen. Den Oberhofern selbst stand anfangs eine eigene sportliche Betätigung weniger im Sinn!

Weidhaas hatte auf seinen Reisen nach Norwegen u.a. genau ausgelotet, welche Wintersportarten und welche Wintersportgeräte passend zu den Oberhofer landschaftlichen Gegebenheiten in Frage kommen könnten.

Der im Riesengebirge so erfolgreiche Hörnerschlitten wurde in Oberhof ein Flop, denn es fehlten die langen steilen Abfahrten. Auch der Ski mit all seinen Möglichkeiten war anfangs der Masse der Gäste aus den Städten schwer zu vermitteln. Besonders den weiblichen Gästen stand die damalige Mode im Wege. Frauen trugen damals lange Röcke und Hosen galten als anstößig. Wagte man sich dennoch auf die Bretter oder die Eiskufen, wetterte sogar die Presse über die „schamlose Tracht der Sportweiber“. In Oberhof war es die Zeit, in der „Kurdiener“ gemäß der amtlichen Festlegungen des Schultheißen darauf zu achten hatte, dass das Nachschleifen der Schleppen der Damen bei einem Spaziergangdurch den Ort, nicht die Luft mit Staub verwirbelte. Trotz dieser anfänglichen Probleme wollte man genügend geeignete Hänge und Pisten für den Skisport zur Verfügung stellen. Als gute Entscheidung bewährte sich der Einsatz von den bequemeren Rodelschlitten und Lenkrodeln. Die in Oberhof reichlich vorhandenen Pferde wurden für Schlittentailing und Skijöring herangezogen und brachten mit diesem Zubrot einen lebhaften Zuspruch bei der ärmeren Oberhofer Bevölkerung, für diesen „neumodernen Kram“, der sich in ihrem Dorf in den Wintermonaten breit machte. Am 2. Februar 1904 wurde im Domänengasthof der Oberhofer Wintersportverein aus der Taufe gehoben. Für Dr. Weidhaas ein „Versuchsballon“, denn er wollte Größeres! Der Verein gab sich ein solides Statut: „Ordentliche Mitglieder können alle gebildeten Damen und Herren …….. werden.“ Bereits zur ersten Jahreshauptversammlung am 21.Oktober 1905 hatte der Verein, Dank des unermüdlichen Werbetätigkeit des Dr. Weidhaas, 235 Ordentliche Mitglieder. Es ist überliefert, dass selbst die Herren des Vorstandes sich gegenseitig, zwecks Schaffung von Vorbildwirkung auf die Ski zwangen! Aber auch bei diesen Herren stellte sich bald echte Lust und Freude an dem neuen Freizeitvergnügen ein!